Mozarts Flötenquartette

Musik stieg himmlisch ins Gewölbe
Feinfühlig ziselierte Dynamik und unübertreffliches Einfühlungsvermögen geboten
Ohrenschmaus: Michael Martin Kofler und Mitglieder des Mozart-Quartetts Salzburg

BIRKENFELD – Die Klosterkirche des Zisterzienser darf sich als Schauplatz des letzten Konzerts der Reihe „Neustädter Schlosshof“ der Saison rühmen. Michael Martin Kofler (Querflöte) und Mitglieder des Mozart-Quartetts Salzburg (Joanna Kamenarska, Violine, Eva-Maria Zwick, Viola, Matthias Michael Beckmann, Violoncello) hatten mit ihrem Programm „Pastorale Idyllen und lustvolle Flötenarien“ für volle Reihen gesorgt. Und sie wurden dem noblen Klang ihres Namens mehr als nur gerecht.

Es heißt ja, lediglich auf einer CD sei das Spiel dank technischer Raffinessen makellos, und manch einer zieht die kalte Konserve dem Originalerlebnis vor. Aber das ist ein Irrtum, und zwar ein immenser. Vielleicht lag es ein bisschen an den Pate stehenden vier Barockengeln über dem Altar, dass die Mozartschen Flötenquartette gar so himmlisch ins Gewölbe stiegen: Jedenfalls klang Michael Martin Koflers Flöte so schmelzend weich und einschmeichelnd, war seine Atemtechnik so perfekt, dass schon nach den ersten Takten, hätte man es nicht bereits im Programm gelesen, allen klar war: da vorne sitzt ein Flötist der Weltklasse, und das tatsächlich in unserer ländlischen Gegend.

Der metallenen Schönen, einer quirligen Prinzessin, keck, voller Anmut und Lebenslust, zugleich aber grazil und anschmiegsam, frisch und unverdorben, huldigen die nicht weniger edlen Hofdamen Violine und Viola, vor ihr verneigt sich galant und charmant Graf Violoncello. Sie wissen schon, wie das Leben ist, warnen ein wenig schmunzelnd, nie länger als drei Takte lang düster, stets voll sensibler Empathie, vor zu viel Überschwang. Gemeinsam werden sie zu etwas, das eigentlich nicht mit Worten beschrieben werden kann: Einerseits ist der Gesamtklang so ausgewogen, dass sich die einzelnen Instrumente zugunsten der kompositorischen Intention der harmonischen Gesamtkonzeption unterzuordnen scheinen. Dann wieder gewinnt jede penibel ausgestaltete Phrase jedes Solisten Eigenleben und jede Viertelpause bringt das Herz vor Spannung zum Klopfen, wie es wohl nun weitergehe.

Die überirdisch anmutende Sanftheit der Übergänge, das leichte Crescentieren jedes Tones, die unglaubliche Weichheit der Intonation sind nur solch begnadeten Musikern möglich.

Die sorglos-heiteren Flötenquartette in C-, D-, G- und A-Dur mögen häufig gespielt werden, aber nur zu oft wird das an diesem Abend so exzellent wiedergegebene harmonische Legato und die melodiöse Linie, die gerade bei Mozart sehr differenziert dynamisch augestaltet werden muss, durch billiges Übertreiben versimpelt. Deshalb mied die oberflächliche Wiener Gesellschaft ja auch Mozart, der, adäquat interpretiert, kompliziert wird, traute sich aber nicht, ihn zu verbannen, wohl ahnend, dass er weit über seinen Zeitgenossen stand.

Mozarts klare Musiksprache trägt dem Zeitalter der Aufklärung Rechnung, aber da ist auch noch das klassische Ideal, die Forderung nach Paarung von Geist und Gefühl: Schwermütige Satzanfänge gehen bald in ein silberhelles Prinzessinenlachen über, in das ihr Gefolge überschwänglich einstimmt. Die über der ausgefeilten Technik liegende Emotion, das kleine Quentchen Abweichen vom Erwarteten, machen das Genie Mozarts und das des wiedergebenden Ensembles aus.

Das anspruchsvolle D-Dur- Flötenquartett von Johann Michael Haydn hinkte interpretatorisch nicht nach, nur – dem Werk fehlte die Mozart'sche verständnisheischende emotionale Hingabe.

Die Zugabe „Alla turca“ fasste noch einmal zusammen, was das Ensemble ausmacht: Keine Effekthascherei, sondern auch bei diesen leichteren Werken des oft schwierigen Komponisten feinsinnig ziselierte Dynamik, Klarheit und unübertreffliches Einfühlungsvermögen.     Heike Auer / Fränkische Landeszeitung Nr. 175 vom Montag, 01. August 2005

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